Mitte des 18. Jahrhunderts variiert die Einwohnerzahl Wiens je nach
Quellenangaben zwischen 100.000 und 200.000 Seelen. Die Straßen
waren eng, verfügten aber im Unterschied zu anderen europäischen
Städten dieser Epoche bereits zum größten Teil
über
Pflasterung und Kanalisation.
Ausgehend vom heutigen Stadtplan verstand man unter „Wien“ im 18.
Jahrhundert den ersten Bezirk, begrenzt von der jetzigen Ringstraße,
an deren Stelle sich damals die Stadtmauer mit Basteien und
Stadttoren befand. Im Verlauf der Stadterweiterung wurde die Mauer
im 19. Jahrhundert geschleift und dem Zeitgeist entsprechend durch einen breiten Boulevard mit
Prachtbauten (Parlament, Rathaus, Burgtheater, Oper) ersetzt.
Vor
der Stadtmauer gab es eine Grünfläche, das Glacis. Es sollte im
Belagerungsfall als Verteidigungsanlage dienen. Die dritte
Sicherungsmaßnahme stellte der Linienwall dar, der entlang des
heutigen Gürtels verlief. 1704 zum Schutz vor Kuruzzenangriffen
errichtet, erfüllte er bald nur mehr eine Aufgabe als Mautstelle, da
für Waren, die von außerhalb in die Stadt gebracht wurden, Zoll
entrichtet werden musste. Dieser Umstand trug dazu bei, dass sich
die Vorstädte und Vororte zunehmender Beliebtheit erfreuten, da das
Leben dort wesentlich billiger war.
Joseph II. (1741-1790, Kaiser 1765-1790, von 1765-1780 Mitregent
Maria Theresias)
Er
gilt als Vertreter des aufgeklärten Absolutismus, alle seine Bestrebungen
verfolgten das Ziel, dem Volk durch alle Schichten Wohlstand und
Sicherheit zu garantieren. Sein Leitspruch
lautete virtute et exemplo
- mit Tugend und Beispiel. Untrennbar
mit seinem Namen verbunden ist das "Toleranzpatent", das nicht nur
den aufgeblasenen Verwaltungsapparat der katholischen Kirche zurecht
stutzte, sondern den Bürgern das Recht auf freie Religionsausübung
sichern sollte. Er hob die Leibeigenschaft auf, belegte den Adel mit
Steuerpflicht und öffnete kaiserliche Parkanlagen der
Öffentlichkeit. Außerdem schuf er Kranken-, Waisen- und Armenhäuser
sowie Schulen. Als erster Herrscher überhaupt schaffte er im
Zivilrecht die Todesstrafe ab. Alle diese Reformen vollzog er in den
zehn Jahren, in denen er Alleinregent war. Während seiner Zeit als
Mitregent seiner Mutter war er kaum mehr als ein Komparse. Die "alte
Garde" blockierte seine Reformen mit dem Erfolg, dass er vor seinem
Tod vieles wieder rückgängig machen musste. Zu Lebzeiten war er beim
Volk unbeliebt, erst nachfolgende Generationen erkannten seine
Verdienste. Er starb 1790 an Tuberkulose. Sein Nachfolger war sein
Bruder Leopold II.
Auch sein Privatleben
verlief glücklos. Seine Mutter arrangierte für ihn die Vermählung
mit der Prinzessin Maria Isabella von Bourbon-Parma (1741-1763),
spanische Infantin und Enkelin Ludwig XV. Die Hochzeit der beiden
19jährigen fand mit tagelangen Feiern am 6. Oktober 1760 in Wien
statt. Joseph, der die Ehe mit den schlimmsten Befürchtungen
einging, war von seiner Ehefrau auf den ersten Blick bezaubert.
Erzherzogin Isabella besaß ein liebenswertes, charmantes Naturell
und ein gewinnendes Äußeres. Sie war klug und belesen, interessierte
sich für Musik, Kultur und Wissenschaft. Im März 1762 brachte sie
eine Tochter zur Welt, die nach der Großmutter Maria Theresia
genannt wurde. Es folgten mehrere Fehlgeburten und Isabella stürzte
in Depressionen, die sich in Todessehnsucht und Todesahnungen
manifestierten. Josephs Schwester Marie Christine, Mimi genannt,
wurde ihre Herzensfreundin, ihr Lebensmensch. Täglich schrieben sich
die beiden Frauen Briefe, in denen die starke emotionale Bindung
Isabellas an Mimi offensichtlich wird. Im November 1763 gebar
Isabella im siebten Schwangerschaftsmonat ein totes Mädchen -
Christina. Fünf Tage später erlag sie den Schwarzen Blattern. Sie
wurde in der Kapuziner Gruft bestattet, der Sarg ihrer Tochter wurde
unter ihren geschoben, um sie auch im Tod zu vereinen.
Joseph litt unter dem
Tod seiner geliebten Frau unsagbar. Gerüchte besagen, dass ihn Mimi
über die Natur ihrer Freundschaft mit Isabella aufgeklärt hat, um
ihn aus seinem Schmerz zu lösen. Maria Theresia machte sich - der
Staatsräson gehorchend - sofort daran, eine neue Frau für ihren Sohn
zu suchen. Schließlich heiratete er im Jänner 1765 seine Cousine
Maria Josepha von Bayern. Die Ehe wurde vermutlich nie vollzogen.
Joseph wollte nicht mehr heiraten, auch am Hof konnte die
schüchterne, ungebildete Maria Josepha die Erinnerung an den
strahlenden Stern von Isabella nicht auslöschen. Um ihr
Unglück perfekt zu machen, liebte Maria Josepha ihren Mann abgöttisch. Sie
starb 1767 an den Schwarzen Blattern. Joseph blieb ihrer Beisetzung
in der Kapuziner Gruft fern.
Josephs und Isabellas
Tochter Maria Theresia wurde nur knapp acht Jahre alt. Sie starb
1770 an Lungenentzündung. Dieser Tod stürzte Joseph erneut in tiefe
Verzweiflung, er verschloss sich zunehmend und ging zeit seines
Lebens keine Bindungen ein. Noch Jahre später bewahrte er Schuhe und
Kleidchen seiner Tochter auf.
Erzherzogin Marie Christine
(1742-1798),
Mimi galt als
Lieblingstochter von Maria Theresia, als einziges Kind der Kaiserin
durfte sie ihren Ehepartner selbst wählen. Sie war klug, fröhlich
und manipulierte ihre Umwelt gerne. Ob sie tatsächlich eine
lesbische Beziehung mit ihrer Schwägerin Isabella unterhalten hat,
ist bis heute unbewiesen. 1766 heiratete Mimi ihre große Liebe, den
Herzog Albert von Sachsen-Teschen. Ihre einzige Tochter starb bald
nach der Geburt und schließlich adoptierte sie ihren Neffen
(Erzherzog Karl, ein Sohn von Leopold II.). Mit ihrem Mann verband
sie auch die Liebe zur Grafik. Zahlreiche Zeichnungen, die die
kaiserliche Familie darstellen, befinden sich noch heute im Schloss
Schönbrunn. Der Herzog von Sachsen-Teschen gründete die nach ihm
benannte Albertina, heute eine der bedeutendsten graphischen
Sammlungen der Welt. Sie ist im Palais Erzherzog Albrecht in Wien
untergebracht. Mimi starb 1798 an einer ungeklärten Magenkrankheit,
ihr Mann überlebte sie um 24 Jahre.
Christoph
Willibald Gluck (1714-1787)
Christoph Willibald Gluck wurde in Weidenwang in Bayern geboren.
1736 kam er nach Wien. Durch die Gunst des Fürsten Melzi, der
Gluck in Wien spielen hörte, kam er nach Mailand, wo ihn der
Komponist Sammartini als Schüler aufnahm. Bis zum Jahr 1745
schrieb Gluck acht Opern. Von 1745 bis 1749 bereiste er London,
Dresden, Hamburg, Kopenhagen, Prag, Neapel und Rom. 1750 heiratete
er Marianne Pergin und ließ sich in Wien nieder. 1754 wurde er zum
königlich-kaiserlichen Hofkapellmeister ernannt und im Jahr darauf
bekam Gluck den päpstlichen Ritterorden "vom goldenen Sporn"
verliehen. Gemeinsam mit Calzabigi begann Christoph Willibald
Gluck die Reform der Oper. Es entstanden seine berühmtesten Werke:
1762 Orfeo ad Euridice; 1767 Alceste; 1774 Iphligenie in Aulis;
1777 Armida; 1779 Iphigenie in Tauris. Am 15.November 1787
verstarb Christoph Willibald Gluck in Wien