Wiener Menuett - historische
Grundlagen
Wien
Mitte des 18. Jahrhunderts variiert die Einwohnerzahl Wiens je nach
Quellenangaben zwischen 100.000 und 200.000 Seelen. Die Straßen
waren eng, verfügten aber im Unterschied zu anderen europäischen
Städten dieser Epoche bereits zum größten Teil
über
Pflasterung und Kanalisation.
Ausgehend vom heutigen Stadtplan verstand man unter „Wien“ im 18.
Jahrhundert den ersten Bezirk, begrenzt von der jetzigen Ringstraße,
an deren Stelle sich damals die Stadtmauer mit Basteien und
Stadttoren befand. Im Verlauf der Stadterweiterung wurde die Mauer
im 19. Jahrhundert geschleift und dem Zeitgeist entsprechend durch einen breiten Boulevard mit
Prachtbauten (Parlament, Rathaus, Burgtheater, Oper) ersetzt.
Vor
der Stadtmauer gab es eine Grünfläche, das Glacis. Es sollte im
Belagerungsfall als Verteidigungsanlage dienen. Die dritte
Sicherungsmaßnahme stellte der Linienwall dar, der entlang des
heutigen Gürtels verlief. 1704 zum Schutz vor Kuruzzenangriffen
errichtet, erfüllte er bald nur mehr eine Aufgabe als Mautstelle, da
für Waren, die von außerhalb in die Stadt gebracht wurden, Zoll
entrichtet werden musste. Dieser Umstand trug dazu bei, dass sich
die Vorstädte und Vororte zunehmender Beliebtheit erfreuten, da das
Leben dort wesentlich billiger war.
Bernardo Bellotto 1721-1780
(der in meinem Roman den Auftrag erhält, das Winterfeld Palais für die
Nachwelt festzuhalten)
wurde in Venedig in
der höchsten Bürgerklasse der Stadt geboren und erlernte ab 1735 in
Werkstatt seines Onkels Giovanni Antonio Canal (der ebenfalls mit
Canaletto signierte, was häufig zu Verwirrung führt) dessen Metier, die
Vedutenmalerei. 1742 bereiste er Florenz und Rom und festigte seinen
Stil. 1747 verlässt er mit Frau und Kind Italien für immer
und folgt dem Ruf König August III. an den Dresdner Hof. Ab 1748 war
er Hofmaler. Er fertigte insgesamt 25 Gemälde mit Ansichten der
Hauptstadt. 1758 verlässt er wegen zunehmendem Kriegsgeschehen
in Sachsen das Land und taucht im Frühjahr 1759 in Wien auf. Zeugnis
seines Aufenthalts sind 17 Gemälde der Stadt und ihrer Umgebung.
1761 verließ er Wien
in Richtung München. Später kehrte er nach Dresden zurück. Die
Verarmung durch die Folgen des Krieges sowie der Tod August III boten
keinen Platz mehr
für
hochbezahlte Hofmaler und Canaletto musste sich mit
Gelegenheitsarbeiten und Malunterricht weiterbringen. 1766
Schließlich ging er nach Warschau, wo er am Hof wieder jene Position
einnahm, die er in Dresden verloren hatte: offizieller Hofmaler mit
fürstlichem Gehalt, freier Wohnung und anderen Vergünstigungen, die
ihn bewogen, seine Frau und die mittlerweile drei Töchter nachkommen
zu lassen. Er arbeitete an der Ausgestaltung des Schlösschen
Lazienki, des Schlosses Ujazdow und der Reszidenz in Warschau mit.
Insgesamt schuf er bis zu seinem Tod 1780 26 Ansichten. Die Arbeiten
Canalettos sind ein lebendiges Zeugnis für das Aussehen und das
Alltagsleben der Stadt und ihrer Bürger Mitte des 18. Jahrhunderts.

Schloss Schönbrunn
war die bevorzugte Residenz Maria Theresias (1717-1780). Fischer
von Erlach konzipierte nach dem Vorbild Versailles eine
gigantische Anlage, in der das Schloss auf der Anhöhe, also dort,
wo sich heute die Gloriette befindet, gestanden hätte. Schließlich
wurde 1695-1711 ein vereinfachter Plan ausgeführt, der ein "Jagd-
und Lustschlösschen" samt französischem Park vorsah.
Nikolaus Pacassi, Maria
Theresias Hofbaumeister, gestaltete es 1744-49 zum Wohnschloss in
vornehm-einfachem Barockstil um. Der Schönbrunner Tiergarten,
damals die
"Menagerie", geht auf den Gatten Maria Theresias, Franz Stephan von
Lothringen (1708-1765) zurück und wurde 1752 angelegt. Damit ist
der Schönbrunner Tiergarten der älteste der Welt. Noch heute kann
man die Originalgebäude und Käfiganlagen besichtigen und im
Frühstückspavillon des Kaisers bei einem Häferl Kaffee die
Aussicht genießen. Exotische Pflanzen und Tiere zu besitzen und zu
zeigen, war ein beliebter Zeitvertreib all jener, die es sich
leisten konnten.

Die im Roman
erwähnte Mehlgrube geht in ihrer heutigen Form auf Fischer von Erlach
zurück (1697) und befindet sich am Neuen Markt. Sie diente als
Vergnügungsstätte, ab 1781 als Konzertsaal. Beethoven und Mozart gaben
hier Konzerte. Im Laufe der Zeit wechselte das Gebäude mehrmals
Besitzer und Verwendungszweck. Heute ist das Hotel Ambassador darin
untergebracht.
Legende der Bilder in
der Reihenfolge hier auf der Seite - alle stammen von Bernardo
Bellotto - Canaletto
1) Ausschnitt aus "Wien
vom oberen Belvedere aus gesehen", Öl/Leinwand - 1759/60
2) Ausschnitt aus "Idealvedute
mit Selbstbildnis in venezianischer Adelstracht", Öl/Leinwand - 1765
3) Ausschnitt aus "Das
kaiserlicher Lustschloss Schönbrunn - Hofseite", Öl/Leinwand - 1759/60
4) Ausschnitt aus "Das
kaiserlicher Lustschloss Schönbrunn - Gartenseite", Öl/Leinwand -
1759/60
5) Ausschnitt aus "Das
kaiserlicher Lustschloss Schlosshof - Hofseite", Öl/Leinwand - 1759/60
6) Ausschnitt aus
"Palais des Fürsten Wenzel Kaunitz in der Vorstadt Mariahilf",
Öl/Leinwand - 1759/60